Anwenderbericht zur WISC-V

Was machen Sie beruflich?

Diplom-Pädagogin, systemische Familientherapeutin und Diagnostikerin in einer Sozialpsychiatrischen Praxis. Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -Psychotherapie sowie Praxisinhaber einer Sozialpsychiatrischen Praxis.


Wann entscheiden Sie, die WISC-V einzusetzen?

  • Bei schulischen Problemen zur Ermittlung des Leistungsniveaus.
  • Bei Entscheidungen zum Schultyp oder der weiterführenden Schule.
  • Bei Teilleistungsstörungen zur Ermittlung der Standardabweichung.
  • Zur Ermittlung einer möglichen geistigen Behinderung (und der daraufhin relevanten Ermittlung des Kostenträgers, wie z. B. in der Autismus-Förderung).
  • Bei Fragestellungen zur Hochbegabung.
  • Bei emotionalen Störungen, wie z. B. Lern- und Leistungsblockaden.
  • In der ADHS-Diagnostik.


Haben Sie Tipps zur Durchführung der WISC-V?

  • Bei jüngeren Testpersonen empfiehlt es sich zwei Termine zu vereinbaren und die Testung zu teilen.
  • Es sollten Pausen eingeplant werden.
  • Es sollte kein Zeitdruck aufgebaut werden, da es sich auf die Testperson übertragen kann.
  • Man sollte eine angenehme Atmosphäre schaffen, wie z. B. gute Lichtverhältnisse oder die Bereitstellung von Getränken.
  • Bei leistungsschwächeren Testpersonen muss die Aufgabenstellung gegebenenfalls häufiger wiederholt werden, da sie oft nicht sofort verstanden wird.
  • Jede Testperson hat ihr eigenes Tempo. Bei zeitlich unbegrenzten Untertests ist es daher hilfreich, sich diesem anzupassen.

 

Wie motivieren Sie eine Testperson?

  • Zunächst sollte man sich der Testperson zuwenden, ihr Zeit geben anzukommen und sich auf die Situation sowie den Therapeuten einzustellen.
  • Gerade bei unbekannten Testpersonen sollten sich die ersten Fragen nicht auf das Testverfahren, sondern auf das Wohlbefinden der Testperson beziehen: „Wie geht’s dir gerade? Bist du aufgeregt? Warst du noch in der Schule? Hattet ihr eine stressige Anfahrt?“. Vor dem Start ist Joining wichtig.
  • Unsicheren Testpersonen sollte vermittelt werden, dass sie nichts falsch machen können – eher: „Jetzt kannst du mal zeigen, was du alles kannst.“.
  • Zwischendurch auch mal gemeinsam lachen.
  • Bei guter Atmosphäre fühlt sich eine Testperson wohl und kann sich gegebenenfalls gut selbst motivieren.
  • Wenn die Testperson schnell müde wird, sollte man die Testung beenden und einen zweiten Termin vereinbaren.

 

Was tun Sie, wenn die Eltern die Ergebnisse nicht akzeptieren?

  • Wir erläutern den Eltern, dass es für das Wohl der Testperson das Beste ist, die richtige Schulform und Fördermöglichkeit zu finden, da Überforderungen eher schaden.
  • Wenn sich die Testperson in einer schwierigen Lebensphase oder Schulsituation befindet, sollte man eventuell noch einmal in Aussicht stellen, den Test in ca. zwei Jahren zu wiederholen.


Worin sehen Sie die Stärken und Schwächen des Testverfahrens?

  • Das Testverfahren ist sehr gut strukturiert.
  • Die Schwächen und Stärken der Testperson lassen sich im Profil gut ablesen.
  • In der Durchführung ist die WISC-V noch einfacher und schneller als die WISC-IV.
  • Bei sprachlichen Schwächen gestaltet sich die Durchführung schwierig. In diesem Fall sollte eher ein sprachfreies Verfahren verwendet werden.
  • Bei kognitiv schwachen Testpersonen ist die Aufgabenstellung schon fast eine Überforderung.

 

Autoren: A. M. Kügler & Dr. med. A. Schmidt
Diplom-Pädagogin, systemische Familientherapeutin sowie Diagnostikerin & Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -Psychotherapie sowie Praxisinhaber einer Sozialpsychiatrischen Praxis