Normierung in der psychologischen Diagnostik

Standardisierte psychologische Diagnostik ist ein objektives Verfahren, um Persönlichkeits-, Entwicklungs- oder Leistungsmerkmale von Menschen zu messen. Das Messergebnis, d. h. der Testwert, den eine Testperson erreicht, wird zu seiner Interpretation in einen möglichst validen Bezugsrahmen eingeordnet. Den Bezugsrahmen stellen die Testwerte anderer Menschen, die das diagnostische Verfahren ebenfalls durchlaufen haben, dar.

Die Schaffung des Bezugsrahmens wird als Normierung bezeichnet, sein Ergebnis sind sogenannte Normtabellen. Die Verteilung der Testwerte einer Referenzstichprobe von Testpersonen wird häufig normaltransformiert und durch Verteilungsparameter, wie Mittelwert und Standardabweichung, beschrieben. Jedem Testrohwert kann nach der Normierung ein bestimmter Teststandardwert zugeordnet werden. Der Standardwert legt die Position einer Testperson im Vergleich zur Referenzstichprobe eindeutig fest. Ein Testergebnis kann nun als durchschnittlich, über- oder unterdurchschnittlich eingeordnet und gemäß des Inhalts des gemessenen Merkmals interpretiert werden (z. B. unterdurchschnittlich intelligent oder überdurchschnittlich extravertiert). Wichtig für die Gültigkeit der Normen ist, dass der Test in der Praxis genau so, wie im Rahmen seiner Normierung, durchgeführt wird. Die standardisierte Durchführung eines Tests wird daher im Testmanual ausführlich beschrieben und ist vom Testleiter genau einzuhalten.

Eine Referenzstichprobe muss für die Zielgruppe des Messverfahrens repräsentativ sein und es müssen demografische Merkmale der Testpersonen, die einen Einfluss auf das Testergebnis haben, erfasst und bei der Berechnung und Darstellung der Normen berücksichtigt werden. Häufig erfasste demografische Merkmale sind Alter, Geschlecht, Schulbildung, sozioökonomischer Status, Migrationshintergrund und geografische Region.

Bei der Normierung eines psychologischen Testverfahrens müssen, neben der Schichtung der Stichproben nach den relevanten demografischen Merkmalen, Ex- bzw. Inklusionskriterien für die Testpersonen und die statistisch ermittelbaren Mindestgrößen der Referenzstichproben beachtet werden. Neuere innovative Wege der Normenberechnung, wie das Inferential Norming, ermöglichen es, mit relativ kleinen Stichprobengrößen valide Normen zu erstellen.

Normwerte sollten generell etwa alle acht Jahre auf ihre Gültigkeit hin überprüft werden. Falls sich hierbei signifikante Veränderungen zeigen, muss eine Neunormierung erfolgen, damit die Aussagekraft des Tests erhalten bleibt.

Autoren: Testentwicklung Pearson Deutschland