Herausforderungen bei der Adaptation der WPPSI-IV für den deutschsprachigen Raum

Die Wechsler Preschool and Primary Scale of Intelligence – Fourth Edition (WPPSI-IV; Wechsler, 2012; Bearbeiter der deutschen Fassung Petermann & Daseking, 2018) ist ein umfassendes klinisches Einzeltestverfahren, das entwickelt wurde, um die kognitiven Fähigkeiten bei Kindern zwischen 2 Jahren und 6 Monaten und 7 Jahren und 7 Monaten (2;6 – 7;7) zu erfassen. Das Verfahren beinhaltet 15 Untertests, die intellektuelle Fähigkeiten in spezifischen kognitiven Bereichen (z. B. Sprachverständnis, Arbeitsgedächtnis, fluides Schlussfolgern) sowie die allgemeine intellektuelle Fähigkeit (d. h. Gesamt-Intelligenzquotient) durch insgesamt 10 Indizes abbilden.

Die Adaptation eines solch komplexen Testverfahrens ist ein Großprojekt, das aus unzähligen Einzelaspekten besteht. Manche davon stellen eine eher allgemeine, andere eine ganz besondere Herausforderung dar. Im Rahmen der kulturellen Anpassung und Normierung der WPPSI-IV waren allgemeine Herausforderungen, auf die wir gestoßen sind, beispielsweise die Überprüfung der Bildmaterialien auf ihre Tauglichkeit und Relevanz bei jungen Kindern in Deutschland. Auch die Anpassung von verbalen Aufgaben und deren Bewertung kann als allgemeine Herausforderung betrachtet werden, die es bei der Adaptation von Testverfahren mit verbalen Inhalten immer zu überwinden gilt.

Doch auch wenn Aufgabeninhalte eine noch so gute Passung für die Zielgruppe haben, nutzen sie nur bedingt, wenn die Testleistung eines Kindes nicht einzuordnen und somit nicht interpretierbar und verwertbar ist. Um belastbare Vergleichswerte (Normen) zur Verfügung stellen zu können, ist es von größter Wichtigkeit, den Test mit einer für die Zielgruppe repräsentativen Stichprobe durchzuführen. Zu diesem Zweck haben wir die WPPSI-IV in der Standardisierungsphase mit 895 Kindern im Alter von 2;6 – 7;7 Jahren durchgeführt, wobei nach relevanten Variablen wie Geschlecht, Migrationshintergrund sowie Bildungsniveau der Eltern stratifiziert wurde. Das bedeutet, dass die Verteilungen der genannten Variablen in der Normstichprobe und in der in Deutschland lebenden Bevölkerung (nur bezogen auf das Alter 2;6 – 7;7 Jahre) annähernd übereinstimmen.

Eine eher besondere Herausforderung bei der Entwicklung der WPPSI-IV für den deutschsprachigen Raum war die Eliminierung von Deckeneffekten, die bei der Überprüfung der Itemkennwerte für manche Untertests gefunden wurden und die auch teilweise in der Vorgängerversion WPPSI-III zu finden waren. Da es eines unserer Ziele war, einen möglichst breiten Intelligenzbereich erfassen zu können, haben wir uns also darangemacht, neue Aufgaben zu entwickeln, um auch die Intelligenz von Kindern im hochbegabten Bereich zuverlässig einschätzen zu können und gleichzeitig die Testgüte im unteren Alters- und Leistungsbereich hoch zu halten.

Eine weitere als besonders einzustufende Herausforderung liegt im jungen Alter des Anwendungsbereichs begründet. Es bedarf nicht nur ganz spezieller Fähigkeiten beim Testen von Kleinkindern und Kindern im Kindergartenalter, es ist auch nicht ohne weiteres möglich, die üblicherweise verwendeten Methoden zur Validierung eines Intelligenztests bereits in diesem Alter einzusetzen. Dies gilt unter anderem für Studien zu speziellen Gruppen (z. B. Hochbegabung und Minderbegabung).

Trotz dieser und weiterer Herausforderungen ist es uns dank der Unterstützung unserer Bearbeiter und vieler engagierter, fachkundiger Beteiligten jedoch gelungen, mit der deutschen Fassung der WPPSI-IV einen Intelligenztest von überaus hoher Qualität zu entwickeln. – Wir hoffen, Sie werden uns darin zustimmen!

Autoren: Testentwicklung Pearson Deutschland