R. H. Bruininks, B. D. Bruininks

BOT-2

Bruininks-Oseretsky Test der motorischen Fähigkeiten - Zweite Ausgabe

Deutsche Bearbeitung: R. Blank, E. Jenetzky, S. Vinçon, 2014

R. H. Bruininks, B. D. Bruininks

BOT-2

Bruininks-Oseretsky Test der motorischen Fähigkeiten - Zweite Ausgabe

Deutsche Bearbeitung: R. Blank, E. Jenetzky, S. Vinçon, 2014

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Gruppiert Produkte - Artikel
Produktname
1.130,50 €
BOT-2 - Gesamtsatz
Manual 1 (Testauswertung, Interpretation), Manual 2 (Testdurchführung), Protokollbögen (25), Aufgabenhefte (25), Auswertungsschablonen, Testmaterial, Tasche
Art.-Nr. 3616.00
105,50 €
BOT-2 - Manual
Art.-Nr. 3616.01
118,50 €
BOT-2 - Testbuch
Art.-Nr. 3616.02
64,50 €
BOT-2 - Protokollbogen
25 Stück
Art.-Nr. 3616.03
102,50 €
BOT-2 - Aufgabenheft
25 Stück
Art.-Nr. 3616.04
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Anwendungsbereich
Testverfahren zur Erfassung fein- und grobmotorischer Fähigkeiten sowie Entwicklung motorischer Trainingsprogramme
Anwendungsgruppe
Kinder
Alter
4:0 bis 14;11 Jahre
Durchführungsdauer
Langfassung: 50 bis 60 Minuten; Kurzfassung: 15 bis 20 Minuten
Berufsgruppe
PsychologInnen, KinderärztInnen, PsychotherapeutInnen, SonderpädagogInnen, ErgotherapeutInnen, PhysiotherapeutInnen

Anwendungsbereich

Grob- und feinmotorische Schwierigkeiten, und damit zahlreiche Einschränkungen im Alltag, können alleine oder begleitend zu anderen Erkrankungen auftreten.

Der BOT-2 dient der Erfassung der motorischen Fähigkeiten von Kindern im Alter von 4;0 bis 14;11 Jahren. Grob- und feinmotorische Koordinationsdefizite können alleine oder begleitend zu anderen Erkrankungen auftreten.

Der BOT-2 geht auf die Arbeiten von Nikolai Oseretzky (motorische Stufenleiter) und Robert Bruininks (BOTMP) zurück. Die Rückmeldungen der Anwender und eine umfassende Forschungsdurchsicht flossen in die Überarbeitung des Testverfahrens BOT-2 (R. H. Bruininks, B. D. Bruininks, 2005) ein. Mit der deutschsprachigen Version steht nun ein wissenschaftlich etabliertes und detailliertes Entwicklungsprofil für Kinder und Jugendliche mit motorischen Auffälligkeiten im Rahmen der pädiatrischen Ergo-, Physiotherapie und Motopädie in Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Verfügung.

Das Verfahren

Das Testverfahren zeichnet sich durch kindgerechte, alltagsrelevante motorische Aufgaben aus, wie z. B. Malen, Schneiden, Balancieren, Ball fangen und Rennen. Die 53 Aufgaben lassen sich folgenden Untertests zuordnen:

  • Feinmotorische Genauigkeit

  • Feinmotorische Integration

  • Handgeschicklichkeit

  • Beidseitige Koordination

  • Gleichgewicht

  • Schnelligkeit und Geschicklichkeit

  • Ballfertigkeiten

  • Kraft


Der BOT-2 deckt mit diesen acht Untertests zahlreiche fein- und grobmotorische Fähigkeiten ab, die in vier Bereiche der Motorik sowie einen Gesamtwert der motorischen Fähigkeiten zusammengefasst werden können:

  • Feinmotorische Steuerung,

  • Handkoordination,

  • Körperkoordination,

  • Kraft und Gewandtheit,

  • Gesamtwert.


In der deutschsprachigen Version wurden die Aufgaben- und Auswertungsanweisungen für den Testleiter erweitert und präzisiert. Das Testmaterial wurde erweitert und nach qualitativen Gesichtspunkten verbessert.

Gütekriterien

Die Zuverlässigkeit der Testwiederholung nach einer Woche liegt bei r=0.82-0.98 (N=24) in den Untertests der deutschsprachigen Version. Im englischsprachigen Original zeigte sich nach ein bis sechs Wochen im Gesamttest eine Wiederholungreliabilität von r=0.80-0.88 (N=134). Sehr hohe Übereinstimmung zwischen geschulten Testleitern: in der deutschsprachigen Version für alle Untertests bei r=0.98-0.99 (N=23), in der englischsprachigen Version für alle Untertests bei r=0.84-0.99 (N=47).

Deutschsprachige Studien zur Gültigkeit werden momentan durchgeführt. Erste Studien zeigen aufgrund des breiten Aufgabenspektrums und der strengen Normen eine höhere Sensitivität für auffällige Kinder als bei der US-Version an. Im englischsprachigen Original ließ sich gute konvergente Validität zu vergleichbaren Verfahren (PDMS-2: r=0.73; TVMS-R: r=0.74; BOTMP: r=0.80) nachweisen. In einer kleinen Vorstudie (N=22) zur konvergenten und divergenten Validität dreier Untertests der deutschsprachigen Version mit den zugehörigen drei Motorikbereichen des M-ABC-2 findet sich nur ein Zusammenhang bei Handgeschicklichkeit (r=0.49) und Balance/Gleichgewicht (r=0.52). Die interne Konsistenz wird unterschiedlich berichtet: Wuang & Su 2009 berichten ein Cronbachs a von 0.81-0.92. Die Testhalbierungsreliabilität der deutschsprachigen Normierungsstichprobe lag überwiegend bei r=0.71-0.92, wobei im höheren Alter die Bereiche Feinmotorische Steuerung und Körperkoordination schwächer abschnitten (r=0.56).

Normen

Anhand der Gesamtstichprobe von über 1100 Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Bundesländern in Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden für die einzelnen Altersbereiche geschlechterspezifische als auch gemeinsame Normen berechnet.

Charakteristika und Vorzüge

  • Sensitives Fremdbeurteilungsinstrument zur Erfassung motorischer Entwicklungsauffälligkeiten.

  • Anwendung der Untertests mit gleichbleibenden Inhalten über die Altersspanne.

  • Durchführung von Verlaufsstudien möglich.

  • Differenziertes Profil durch insgesamt 53 Aufgaben, mit Untertests von jeweils 5 bis 9 Aufgaben.

  • Neben einer Langfassung steht ebenfalls eine Kurzfassung mit ausgewählten Items der Langfassung zur Verfügung.

  • Objektivierung einer sog. dissoziierten motorischen Entwicklung möglich (d. h. Darstellung von unnatürlich großen Leistungsunterschieden zwischen Untertests).

  • Neben der Erfassung der motorischen Leistungsfähigkeit unterstützt BOT-2 durch hohe Differenzierung die Planung und Evaluierung gezielter Therapieprogramme

  • Hohe Motivation für Kinder durch alltagsnahe Vielfalt und Attraktivität der Aufgaben.

Testverfahren zur Erfassung fein- und grobmotorischer Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen von 4;0 bis 14;11 Jahren
Testverfahren zur Erfassung des kindlichen Leistungsvermögen in motorischen Bereichen bei Kindern und Jugendlichen von 3;0 bis 16;11 Jahren
Umfassende Beurteilung über Art und Ausprägungsgrad der Beeinträchtigung mithilfe detaillierter Aufgaben aus den vier Motorikbereichen: 
• Feinmotorische Steuerung 
• Handkoordination 
• Körperkoordination 
• Kraft und Geschicklichkeit.
Effiziente und zuverlässige Erfassung motorischer Beeinträchtigungen mithilfe detaillierter Aufgaben aus den drei Motorikbereichen: 
• Handgeschicklichkeit 
• Ballfertigkeiten 
• Statische und dynamische Balance.

Der Test ermöglicht eine gründliche Analyse der motorischen Stärken und Schwächen eines Kindes. Er ist daher nützlich, um die Art der Beeinträchtigung zu beschreiben und einen Ansatzpunkt für die Intervention zu liefern.

Sensibles Instrument zur Identifizierung einer verzögerten oder gestörten motorischen Entwicklung.

Geschlechtsspezifische Normdaten; mit identifizierten Unterschieden zwischen Jungen und Mädchen.

Drei Altersklassen mit altersgerechten Aufgaben, wodurch sich die Motiviertheit der Kinder bei der Aufgabenbearbeitung erhöht und das Misslingen der Aufgaben bei einigen Kindern verringert.

Ideal für Kinder, die eine längere und strengere Testung bewältigen können.
Der Test liefert eine detaillierte Einschätzung der motorischen Fähigkeiten, die für die Entwicklung und Evaluierung gezielter Motorik-Trainingsprogramme zur Rehabilitation sowie für die Weiterentwicklung der motorischen Fähigkeiten wichtig ist.

Schnelle Durchführung der Testung, was die Bereitschaft der Kinder, die gestellten Aufgaben zu lösen, erhöht und Müdigkeit reduziert; dies gilt besonders für Kinder, die von bestimmten Aspekten motorischer Beeinträchtigungen betroffen sind und für die sich eine längere Beurteilung der motorischen Leistungsfähigkeit als zu schwierig herausstellen würde.

Kurzfassung - ideal als schnelles Screening-Instrument für motorische Störungen.

Breites Altersspektrum, das eine Erfassung von Leistungsveränderungen bis 17 Jahre ermöglicht.

Der Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency - Second Edition (BOT-2) ist ein standardisiertes, normreferenziertes Testverfahren zur Messung der motorischen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen. In englischsprachigen Ländern ist er bereits seit vielen Jahren etabliert und wird zur Diagnostik, Therapieplanung und Evaluation in der Praxis und Forschung eingesetzt. Aufgrund seiner Evidenz wird der BOT-2 in der aktuellen Leitlinie für Kinder mit umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen (UEMF) empfohlen. 


Da das Testverfahren bisher jedoch ausschließlich in Englisch, mit amerikanischen Normen erhältlich war, hat das Kinderzentrum Maulbronn in den Jahren 2011 bis 2014 die deutsche Adaptation und Normierung des BOT-2 übernommen. Dabei wurden Normdaten von über 1.000 Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhoben. 

Die Referentin hat als Studienkoordinatorin den gesamten Prozess der deutschsprachigen Adaptation und Normierung des BOT-2 begleitet. Sie vermittelt innerhalb dieses Kurses die Hintergründe des Testverfahrens und spricht über die Änderungen sowie Anpassungen innerhalb der deutschsprachigen Version. Darüber hinaus erlernen die TeilnehmerInnen die Anwendung des BOT-2 für die eigene Praxis, wobei die Stärken und Schwächen des Testverfahrens anhand von praktischen Beispielen erläutert werden.

Der Kurs erfordert keine Vorkenntnisse zum Verfahren. 
Basiskenntnisse in psychologischer Diagnostik ist erwünscht.


Fortbildungspunkte:
10


Uhrzeiten
:
 9:00 bis 17:30 Uhr


Didaktik
:
Vortrag, Diskussion, Übung

Berufsgruppe
: Psychologen, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Psychiater, Sonderpädagogen sowie Physio-/Ergotherapeuten

Inhalte im Einzelnen:
  •   Theoretische Grundlagen des Testverfahrens
  •   Unterschiede zwischen der deutschen und englischsprachigen BOT-2
  •   Durchführungsbezogene Aspekte
  •   Auswertung und Interpretation
  •   Exemplarische Erprobung der Testdurchführung

Referentin
:
Sabine Vinçon, Ergotherapeutin, Bc. of Health OT, NL

Literatur
Bruininks, B. D.; Bruininks, R. H. (2014). Bruininks-Oseretsky Test der motorischen Fähigkeiten - Zweite Ausgabe (BOT-2) - Deutsche Adaptation. Hg. von R. Blank, E. Jenetzky und S. Vinçon. Frankfurt: Pearson Assessment.

Die Teilnahmegebühr beinhaltet:
  • Umfangreiche Seminarunterlagen
  • Schreibunterlagen
  • Heiß- und Kaltgetränke während des gesamten Seminartages
  • warmes Mittagessen
  • Teilnahmezertifikat


Informationen & Anmeldung >>

Prof. Dr. Rainer Blank hat die deutsche Adaptation des Bruininks-Oseretsky Tests der motorischen Fähigkeiten - Zweite Ausgabe (BOT-2)  geleitet und spricht nun mit uns über seine Erfahrungen während der Entwicklungszeit des deutschen BOT-2,  über Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieses Tests der motorischen Fähigkeiten im Vergleich zu anderen Motoriktests und über vieles mehr.


Herr Prof. Blank, bitte erzählen Sie uns etwas über den Prozess der Adaptation des BOT-2 – welchen Herausforderungen mussten Sie sich in der Entwicklungszeit stellen? Wie sind Sie damit umgegangen und haben diese bewältigt?

Blank: Zunächst einmal ist der BOT-2 ein sehr umfangreiches Verfahren mit zahlreichen Untertests. BOT-2 ist sozusagen der große "Intelligenztest" für die Motorik. Aufgrund der Bedeutung des Verfahrens bedurfte es allein schon bei der Übersetzung erheblicher Anstrengungen sowie bei der Sichtung des Testmaterials. Hier haben wir von Anfang an darauf geachtet, wie valide, also wie gut, der Test durchführbar ist; z. B. wie gut ist das Material auch für die Kinder hier in Deutschland und in den deutschsprachigen Ländern geeignet. Wir haben bereits zu diesem Zeitpunkt von unserer Seite verschiedene Anregungen einbringen können. Danach haben wir Probeläufe und Pilotstudien mit auffälligen und normalen Kindern durchgeführt. Um keinen Bias zu erhalten, wenn die Stichprobenerhebung z. B. nur in Süddeutschland oder in bestimmten Großstädten erfolgt wäre, haben wir grundsätzlich großen Wert auf eine repräsentative Verteilung während der Datenerhebung gelegt – das war eine weitere Schwierigkeit. Es war natürlich eine große Herausforderung hier möglichst eine Stichprobe zu erheben die auch für die deutschsprachigen Länder ein Stück weit repräsentativ ist – d. h. neben den verschiedenen Regionen, Stichwort „Stadt-Land-Balance“, auch die unterschiedlichen sozio-ökonomischen Schichten und eben auch über die Grenzen hinweg Österreich und Schweiz in einer systematischen Form zu berücksichtigen.

Was können Ergotherapeuten, Kinderärzte und -psychologen vom BOT-2 erwarten? Wo liegen die Stärken des Verfahrens?

Blank: Der BOT-2 ist momentan das Topverfahren zur Untersuchung der kindlichen Motorik. Der Markt bietet keinen vergleichbaren Test, der für Kinder mit motorischen Auffälligkeiten eine ähnliche Breite an Funktionen hat. Der BOT-2 ist damit der Rolls Royce unter den Motorik-Tests. Es ist sicherlich ein Verfahren, was die motorische Diagnostik in den deutschsprachigen Ländern deutlich erweitert. Eine gewisse Schulung ist sowohl bei der Durchführung als auch bei der Interpretation aufgrund der Differenzierung, die das Verfahren bietet, notwendig.

Herr Prof. Blank, wo sehen Sie die Vorteile des BOT-2 im Vergleich zu anderen Motorik-Tests oder auch speziell zur Movement ABC-2?

Blank: Der BOT-2 hat verschiedene zusätzliche Merkmale, die ihn auszeichnen – insbesondere gegenüber der Movement ABC-2 bzw. M-ABC-2. Zum einen ist die komplette Fassung des BOT-2 deutlich umfangreicher als die M-ABC-2. Die drei entsprechenden Untertests oder die Kurzfassung erlaubt jedoch in einem ähnlichen Zeitraum wie bei der M-ABC-2 bestimmte motorische Kernfunktionen zu erfassen. Der BOT-2 ermöglicht aber beispielsweise zusätzlich Aussagen über graphomotorische Probleme zu treffen. Das Testverfahren bietet differenzierte Aussagen zu verschiedenen motorischen Funktionen und beinhaltet zusätzliche motorische Leistungstests, wie Fitness oder Kraft. In bestimmten Grenzen kann der BOT-2 deshalb auch Auskünfte zur motorischen Fitness geben. Die M-ABC-2 hat durch ihre relative Kürze, aber auch durch die Beschränkung bestimmter Funktionen, einen sehr hohen Stellenwert erreicht. Wir haben in der UEMF-Leitlinie beide Verfahren als Leitlinien-Verfahren zur Diagnostik von umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen empfohlen, sodass ich sie generell als komplementär und weniger als Konkurrenzverfahren ansehen würde. Die ersten Ergebnisse des BOT-2 zeigen dass die deutsche Normierung strenger ist. Zudem haben wir den BOT-2 gezielt als ein Verfahren entwickelt, was möglichst sensibel motorische Auffälligkeiten misst. Deshalb erwarten wir hier in der deutschen Fassung mit hoher Wahrscheinlichkeit eine sensitivere Diagnose von umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen als bei der US-amerikanischen Originalversion.

Wo sehen Sie die hauptsächlichen Anwendungsfelder des BOT-2?

Blank: Der BOT-2 hat natürlich genauso wie die M-ABC-2 die Hauptanwendung in der Erkennung von Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen. Darüber hinaus kann der BOT-2 aufgrund seiner Breite Aussagen über die verschiedenen Ressourcen und Defizite von motorischen Fähigkeiten bei Kindern treffen. Zusätzlich kann ein Profil entwickelt werden, um festzustellen, welche Funktionen bei einem Kind im Bereich der Motorik gut und weniger gut ausgeprägt sind. Um repräsentative Aussagen zu erhalten, haben wir das Ganze vollständig neu an einer eigenen Normstichprobe der deutschsprachigen Länder vollzogen. Zudem bietet der BOT-2 zusätzlich eine geschlechterspezifische Auswertung, d. h. es besteht zusätzlich die Möglichkeit, die Leistung eines Jungen oder eines Mädchens im Vergleich zu seinen Geschlechtsgenossen zu sehen.

Gibt es besondere Situationen während der Entwicklungszeit, die Ihnen im Gedächtnis geblieben sind?

Blank: Der Koordinatorin Frau Vinçon fiel sofort auf, dass bestimmte Durchführungsanweisungen nicht eindeutig beschrieben waren, sodass wir mit Herrn Bruininks aus den USA direkt in Kontakt traten und verschiedene Probleme besprochen haben. Das war natürlich ein sehr wichtiger und spannender Austausch, da diese dann auch letzten Endes bei der weiteren Testadaptation eine Rolle gespielt haben. Das ist auch das Besondere an dem deutschen BOT-2. Er hat - so wie wir es anhand der ersten Studien abschätzen können - noch bessere Testqualitäten und Testkriterien als die amerikanische Fassung. Das ist eigentlich sehr ungewöhnlich für ein übersetztes Verfahren. Erste Ergebnisse zeigen, dass die deutsche Version des Testverfahrens wohl dank präziserer Anleitungen zur Testdurchführung und kleiner Anpassungen des Testmaterials eine höhere Interrater- und Retest-Reliabilität aufweist als der amerikanische BOT-2.

Gibt es etwas, was die Anwender des BOT-2 unbedingt beachten müssen?

Blank: Ich glaube, eine gute Anwenderschulung zum BOT-2 ist wichtig. Das Verfahren ist relativ komplex – nicht nur in der Durchführung, sondern auch in der Auswertung. Auch das Handbuch ist relativ umfangreich. Das heißt, es braucht schon ein Training und einen gewissen Austausch, um den Motoriktest valide durchführen zu können. Der BOT-2 erfordert aus meiner Sicht etwas mehr Schulung als die M-ABC-2. Geeignet ist der BOT-2, aus meiner Sicht, besonders für Sozialpädiatrische Zentren, aber auch für große Ergotherapie-Praxen, die regelmäßig komplexere Diagnose-Maßnahmen durchführen.

Herr Prof. Blank, der BOT-2 gilt international als Goldstandard in der motorischen Diagnostik. Wie beurteilen Sie die Bedeutung der Adaptation des BOT-2 für den deutschsprachigen Raum heute und in fünf Jahren?

Blank: Ja, man muss sagen als einer der zwei Goldstandards neben der Movement ABC-2. Der BOT-2 ist in der deutschen Version, und das kann ich mit einem gewissen Stolz sagen, aufgrund des gesamten Testaufbaus, von der Qualität und von der Breite sowie von der Vielfalt, tatsächlich ein Goldstandard. Ich denke, dass hier ein sehr gutes Verfahren entwickelt worden ist, das gewisse Maßstäbe in der motorischen Diagnostik setzen wird, auch wenn es, wie bei allen Tests, immer einen gewissen Verbesserungsbedarf für zukünftige Versionen geben wird. Insofern ist es kein Werk für die Ewigkeit, aber wohl ein Meilenstein.

Kann man sagen, dass – mit all den Verbesserungen, die noch kommen werden – schon eine gute Grundlage für die Diagnostik in der Zukunft geschaffen wurde?

Blank: Genau. Ich bin vom gesamten Konzept des BOT-2 sehr überzeugt, z. B. von den verschiedenen Untertests, den erfassten motorischen Funktionen und der systematischen Erfassung derselben. Der BOT-2 ermöglicht es dem Anwender, die gleichen motorischen Funktionen vom kleinen Kind bis zum jungen Erwachsenen abzuprüfen, d. h. wir haben eine Kontinuität der verschiedenen Tests, sodass man den Verlauf gut überprüfen kann. Bei der M-ABC-2 ist das ein bisschen schwieriger, weil wir für jedes Altersband zum Teil andere Tests haben. Damit ist die motorische Entwicklung eines Kindes longitudinal in ihrem Verlauf etwas schwieriger zu bewerten. Beide Verfahren bieten Vor- und Nachteile, denn auch der BOT-2 weist noch Optimierungspotenzial auf, etwa bei etwas älteren Kindern. 

Sie hatten ja schon angesprochen, dass die Entwicklung des deutschsprachigen Tests doch überraschende Ergebnisse gebracht hat. Worauf sind Sie bei der deutschen Version des BOT-2 besonders stolz?

Blank: Ich glaube, dass die deutsche Version eben durch die exzellente Normalverteilung aus der Stichprobenerhebung herausragend ist. Wir hatten 73 Testleiter über alle deutschsprachigen Länder aber auch über unterschiedliche Regionen eingesetzt und damit eine sehr sehr gute geografische Breite und Verteilung erzielt. Besonders diese Qualität macht uns sehr stolz - wenn man bedenkt, dass wir für die Stichprobe über 1.100 Kinder mit so einem großen Test untersucht haben. Meine Mitarbeiter, hier möchte ich noch einmal gesondert Frau Vinçon und Herrn Dr. Jenetzky erwähnen, und ich haben mit dem BOT-2 eine sehr solide und qualitativ gute Arbeit abgegeben.

Lesen Sie den Artikel "Bewegung Objektiv Testen" (PDF, 1,58 MB) zum BOT-2 aus der Ergopraxis 6/2013

Mit freundlicher Genehmigung des Thieme Verlags

Alle Infos zum BOT-2 im Überblick:

>> BOT-2 Flyer (PDF, 1,1 MB)