Anwenderbericht zum Sensory Profile 2

Was machen Sie beruflich?

Ich bin Ergotherapeutin BcOT; seit 30 Jahren in eigener Praxis im Ruhrgebiet


Wann entscheiden Sie, das Sensory Profile 2 (SP 2) einzusetzen?

  • Wenn ich aufgrund der Anamnese und meiner Beobachtungen die Hypothese habe, dass der von der Familie geschilderten Problematik sensorische Verarbeitungsstörungen zugrunde liegen könnten. Dies betrifft Verhaltens- und Betätigungsprobleme von Kindern in ihrem Alltag in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit.
  • Wenn ich den Eindruck habe, dass sich das Reaktionsverhalten in verschiedenen Umgebungen und bei unterschiedlichen Alltagsbetätigungen unterscheidet.
  • Wenn das Kind in seiner Teilhabe in den o. g. Betätigungsbereichen eingeschränkt scheint.



Sensory Profile 2 Manual

Manual des Sensory Profile 2



Inwieweit hilft Ihnen das SP 2 in Ihrer täglichen Arbeit?

  • Mit dem SP 2 lassen sich sehr gut die Stärken und Schwächen der sensorischen Verarbeitung eines Kindes darstellen und er hilft somit bei der Therapieplanung.
  • Der Test macht deutlich, dass wir die Lebenswelt des Kindes im Ganzen betrachten müssen und nicht einzelne Funktionen isoliert.
  • Für Eltern ist das SP 2 hilfreich, um verstehen zu können, wie sich die sensorische Verarbeitung ihres Kindes auf den familiären und institutionellen Alltag auswirken kann.
  • Das SP 2 eignet sich gut für die Außendarstellung, z. B. gegenüber den verordnenden Ärzten.
  • Auch für die Evaluation kann er genutzt werden.


Haben Sie Tipps zur Durchführung des SP 2?

  • Die Fragebögen sollten von den Bezugspersonen und den LehrerInnen/ErzieherInnen selbstständig ausgefüllt werden. Häufig sind die Fragen jedoch etwas unklar formuliert. Daher empfiehlt es sich, für Rückfragen zur Verfügung zu stehen und die Fragen durch z. B. Schilderung von Alltagssituationen zu präzisieren. So ist es sinnvoll, dass die Eltern bzw. andere Bezugspersonen den Fragebogen im Beisein der/des Therapeutin/en oder anderer Fachpersonen ausfüllen zu lassen. Für das Ausfüllen werden ca. 30 Minuten benötigt.
  • Wichtig ist auch die Information, welche Hypothesen zur Aushändigung des Fragebogens geführt haben und worauf diese basieren (z. B. auf Informationen aus dem Anamnesegespräch oder auf Verhaltensbeobachtungen im therapeutischen Setting).
  • Hilfreich ist außerdem die Erläuterung, wozu die Auswertung dienen soll, z. B. Präzisierung der Einschätzung, Unterstützung bei der Erstellung des Therapieplans, gesicherte Außendarstellung durch Verwendung von standardisierten Fragebögen.


Worin sehen Sie die Stärken und Schwächen des Testverfahrens?

  • Die Fragen orientieren sich an der Lebenswelt des Kindes.
  • Sie greifen alle relevanten Betätigungsbereiche auf.
  • Durch die Ausgabe an die Bezugspersonen innerhalb und außerhalb des häuslichen Bereiches lassen sich gut die unterschiedlichen Belastungen (z. B. vertraut vs. unvertraut, Gruppe vs. weniger Personen in der Familie, Routinen vs. ungeplante Ereignisse) darstellen.
  • Die Auswertung ist einfach und nicht sehr zeitintensiv.
  • Die Darstellung der Befragungsergebnisse ist übersichtlich.
  • Die Fragen sind zum Teil nicht klar formuliert und bedürfen häufig einer zusätzlichen Erklärung.


Autorin:
Sabina Sell-Krude, Ergotherapeutin BcOT
SI-Lehrtherapeutin DVE, Affolter-Lehrtherapeutin, Bobath-Therapeutin


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