N. Bayley

BAYLEY-III

Bayley Scales of Infant and Toddler Development - Third Edition

Deutsche Bearbeitung: G. Reuner, J. Rosenkranz, 2014

N. Bayley

BAYLEY-III

Bayley Scales of Infant and Toddler Development - Third Edition

Deutsche Bearbeitung: G. Reuner, J. Rosenkranz, 2014

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Gruppiert Produkte - Artikel
Produktname
1.890,00 €
BAYLEY-III - Gesamtsatz
Manual (Grundlagen und Interpretation), Durchführungsmanual Langform, Testmaterial, Protokollbögen Langform (25), Protokollbögen Screener (25), Elternberichte (25), Trolley
Art.-Nr. 3120.00
126,00 €
BAYLEY-III - Technisches Manual
Art.-Nr. 3120.01
184,00 €
BAYLEY-III - Durchführungsmanual Langform
Art.-Nr. 3120.02
158,00 €
BAYLEY-III - Durchführungsmanual Screener
Art.-Nr. 3120.03
131,00 €
BAYLEY-III - Protokollbogen Langform
25 Stück
Art.-Nr. 3120.04
89,00 €
BAYLEY-III - Protokollbogen Screener
25 Stück
Art.-Nr. 3120.05
11,50 €
BAYLEY-III - Beobachtungsliste Langform
Art.-Nr. 3120.10
11,50 €
BAYLEY-III - Beobachtungsliste Screener
Art.-Nr. 3120.11
53,00 €
BAYLEY-III - Elternbericht
25 Stück
Art.-Nr. 3120.12
75,00 €
BAYLEY-III - Begleit-DVD
Video-Tutorial zur Testdurchführung und -auswertung
Art.-Nr. 3120.13
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Anwendungsbereich
Testverfahren zur Erfassung des Entwicklungsniveaus eines Kindes
Anwendungsgruppe
Kinder
Alter
1 bis 42 Monaten
Durchführungsdauer
50 Minuten (Säuglinge) bis 90 Minuten (Kleinkinder); Screening-Test: 20 bis 25 Minuten
Berufsgruppe
PsychologInnen, KinderärztInnen, PsychotherapeutInnen, SonderpädagogInnen

Anwendungsbereich

Die Bayley Scales of Infant Development (BSID) sind ein Individualtest zur Untersuchung des Entwicklungsniveaus von Kindern im Alter von 1 bis 42 Monaten. Beurteilt werden das aktuelle kognitive, sprachliche und motorische Funktionsniveau. Das Verfahren hat sich vor allem bei der Überprüfung von Entwicklungsverzögerungen und der Planung gezielter Frühförderung als internationaler Standard bewährt und liegt nunmehr in seiner dritten Version Bayley Scales of Infant and Toddler Development - Third Edition (Bayley-III) vor.

Das Verfahren

Folgende fünf Skalen werden mit der deutschen Bayley-III erfasst:

  • Kognition
  • Sprache rezeptiv
  • Sprache expressiv
  • Motorik fein
  • Motorik grob

Bei der Bayley-III sind die Aufgaben, deren Schwierigkeit kontinuierlich ansteigt, bei jedem der fünf Untertests in einer vorgegebenen Reihenfolge dem Kind vorzugeben. Altersbezogene Startpunkte, Umkehr- und Ausstiegsregeln helfen den Entwicklungsstand des Kindes umfassend und ökonomisch zu erheben. Der Untersucher kann die Reihenfolge der Untertests nach den Bedürfnissen des Kindes und gemäß der Testsituation frei wählen.
Für die Auswertung liegen Vergleichswerte nicht beeinträchtigter Kinder für 17 Altersgruppen vor.

Gütekriterien

Die Reliabilitätskoeffizienten der Untertests der Bayley-III Skalen liegen für die Gesamtstichprobe zwischen r = .77 und r = .89. Die der Skalen liegen zwischen r = .86 und r = .88.
Die mittleren Reliabilitätskoeffizienten für die Screening Test Untertests liegen zwischen r = .68 und r = .83

Inhaltliche Validität und auch Konstruktvalidität konnten nachgewiesen werden. Auch für die kriterienbezogene Validität liegen erste Nachweise vor.

Für den Screening Test liegen für jeden Untertest Angaben zu Spezifität und Sensitivität vor.

Normen

Die Bayley-III wurde mithilfe einer Gesamtstichprobe von N = 1009 normiert. Die Datenerhebung erfolgte an N = 878 deutschen Kindern ohne bekannte Beeinträchtigungen, die auf 17 Altersgruppen verteilt wurden. In den jüngeren Altersgruppen wurde die Normstichprobe mit holländischen Säuglingen (N = 131) ergänzt.

Charakteristika und Vorzüge

  • Deutliche Unterschiede zur Bayley-II.
  • Deutsche Normierung.
  • Die Testaufgaben wurden zu einem großen Teil überarbeitet, neu geordnet und durch neue Aufgaben ersetzt oder ergänzt.
  • Vereinfachte Durchführung.
  • Verringerung von Konfundierungen der Leistung (durch motorische oder sprachliche Grundanforderungen bei den Aufgaben zur kognitiven Entwicklung).
  • Minimierung der Deckeneffekte bei älteren Kindern.
  • Begleit-DVD erhältlich.


Screening


Das Screening Verfahren zur BAYLEY-III ist im Gesamtsatz vom BAYLEY-III enthalten:

Mithilfe des Bayley-III Screenings können Fachleute schnell feststellen, ob sich ein Kind im richtigen Tempo entwickelt oder ob eine umfassendere Beurteilung notwendig ist.

Charakteristika und Vorzüge des Screenings

  • Testung der kognitiven, sprachlichen und motorischen Bereiche.
  • Relativ kurze Durchführungszeit von ca. 15 bis 25 Minuten.
  • Ausgewählte Aufgaben aus dem vollen Bayley-III-Testverfahren.
  • Kinderfreundliches Verfahren, spielerische Aktivitäten fördern die Beteiligung.
  • Cut-off Werte nach Alter.
  • Untersuchung von Säuglingen und Kleinkindern um festzustellen, ob ein Risiko einer Entwicklungsstörung besteht.
  • Ideal für den Einsatz in Frühförderstellen, pädiatrische Einrichtungen und Kindertagesstätten.



Das Video spiegelt einen authentischen Testablauf wider und bietet zusätzliche Informationen und Kommentare. Abschließend nimmt die Autorin der Bayley-III, PD Dr. Gitta Reuner, eine beispeilhafte Testauswertung vor.

Der Film zeigt:

  • Bayley-III Aufgaben am Tisch
  • Bayley-III Aufgaben frei im Raum
  • Auswertung der Testungen


Dauer: ca. 150 Minuten auf 2 DVDs

Das Seminar liefert einen Überblick über die Entstehungsgeschichte und Konstruktion der Bayley-III. Die Durchführung des Verfahrens in verschiedenen Altersstufen, Protokollierung und Bewertung wird in Kleingruppen-Übungen und mit Hilfe von Auswerteübungen verdeutlicht. Ein Schwerpunkt liegt in der Untersuchung zweijähriger Kinder. Falls von den Kursteilnehmern gewünscht, können auch andere Altersgruppen vertiefend behandelt werden. 

Der 1-tägige Kurs richtet sich vor allem an Anwender, die bereits mit der Bayley-II gearbeitet haben und mit dieser gut vertraut sind. Ziel des eintägigen Seminars ist es, den Teilnehmern die praktische Arbeit mit den neuen Bayley-III Skalen zu erleichtern. Nach einem kurzen Überblick über die Entstehungsgeschichte der Bayley Scales of Infant Development liegt der Schwerpunkt des Kurses auf dem Erlernen und Üben der konkreten Durchführung, Protokollierung und Bewertung der Bayley-III Skalen. Zur Vertiefung werden Videofälle ausgewertet und Kleingruppen mit dem Testmaterial geübt. 

Der 2-tägige Kurs richtet sich insbesondere an Anwender, die erstmalig mit den Bayley-Scales arbeiten und keine Vorkenntnisse besitzen. Fundierte Kenntnisse der normalen frühkindlichen Entwicklung sind wünschenswert.


Fortbildungspunkte
8 (eintägiges Seminar) bzw. 16 (zweitägiges Seminar)

Uhrzeiten
: 1. Tag 10:00 bis 17:00 Uhr; 2. Tag 10:00 bis 17:00 Uhr

Didaktik
:
 Vortrag, Diskussion, Übung

Berufsgruppe
: PsychologInnen, KinderärztInnen, Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen, PsychiaterInnen, SonderpädagogInnen

Inhalte im Einzelnen:
  •   Grundlagen der Testkonstruktion
  •   Unterschiede zwischen Bayley-II und Bayley-III
  •   Durchführungsbezogene Aspekte
  •   Auswertung und Interpretation
  •   Exemplarische Erprobung der Testdurchführung


Referentin
M.Sc. Kim GärtnerM.Sc. Kim Gärtner, Lisa Frommer, Diplom-Pädagogin und Psychologin M.Sc.


Literatur
Bayley, N. (2014). Bayley Scales of Infant and Toddler Development - Third Edition (Bayley-III). Deutsche Version. Hg. von G. Reuner, J. Rosenkranz, Frankfurt: Pearson Assessment.


Die Teilnahmegebühr beinhaltet:

  • Umfangreiche Seminarunterlagen
  • Schreibunterlagen
  • Heiß- und Kaltgetränke während des gesamten Seminartages
  • warmes Mittagessen
  • Teilnahmezertifikat

Die Diplom-Psychologen Dr. Gitta Reuner und Joachim Rosenkranz sind bzw. waren wissenschaftliche Mitarbeiter im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinik Heidelberg an der Klinik 1, Sektion Neuropädiatrie und an der Klinik IV (Neonatologie).
Ihre klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Entwicklungs- und Neuropsychologie bei Kindern mit komplexen Entwicklungsstörungen und bei Hoch-Risiko-Kindern für Entwicklungsstörungen, z. B. in der Sozialpädiatrie, der Frühgeborenen-Nachsorge, der Epileptologie und der Neonatologie. Beide haben umfangreiche Erfahrungen in der Entwicklung und Adaptation von psychometrischen Verfahren und sind Mitherausgeber der deutschen Fassung der Vorgängerversion der Bayley-III Skalen.

Die beiden Herausgeber der deutschen Fassung der Bayley Scales of Infant and Toddler Development - Third Edition - der Bayley-III Skalen - erzählen über die Bearbeitung des international renommierten entwicklungsdiagnostischen Verfahrens, das nun erstmals mit aktuellen deutschen Normen versehen ist und Ende des Jahres bei Pearson Assessment erscheinen wird.

Die Bayley-III Skalen sind ein Individualtest zur Untersuchung des Entwicklungsniveaus von Kindern im Alter von 1 bis 42 Monaten. Es wird das aktuelle kognitive, sprachliche und motorische Funktionsniveau beurteilt.


Pearson: Frau Dr. Reuner, Herr Rosenkranz, welche wesentlichen Veränderungen im Vergleich zu den Bayley-II Skalen gibt es bei den Bayley-III Skalen?

G. Reuner: Auf den ersten Blick sehen beide Verfahren sehr ähnlich aus, insbesondere sind viele der Testmaterialien dieselben. Dennoch unterschieden sich die Bayley-III Skalen in mehreren Aspekten ganz wesentlich von der Vorgängerversion. So ist die Erfassung des aktuellen Entwicklungsstandes viel genauer möglich, da hierzu nun 3 Skalen mit insgesamt  fünf Untertests zur Verfügung stehen. Im Vergleich zur Vorgängerversion können jetzt kognitive Leistungen, davon separat expressive bzw. rezeptive sprachliche Leistungen, sowie fein- und grobmotorische Leistungen differenziert erfasst werden.
Eine weitere Neuerung, die vielleicht zunächst gar nicht so ins Auge fällt: Die Bayley-III Skalen beinhalten einige neue Items in der Kognitiven Skala, die auf das Konzept „Spielverhalten“ als  wichtige diagnostische Information abzielen.
J. Rosenkranz: Sehr erleichternd für die Anwenderin und den Anwender ist ferner, dass für die Bayley-III Skalen die Durchführungsregeln so verändert wurden, dass sie mit anderen psychometrischen Tests vergleichbar sind: Die häufig kritisierten altersbezogenen Aufgabenbereiche des Bayley-II gibt es nicht mehr. Stattdessen gibt es altersbezogene "Startpunkte" und eindeutig festgelegte "Einstiegs-, Umkehr und Ausstiegsregeln", die für jeden Untertest in gleicher Weise gelten. Die Ergebnisse selber sind gut und übersichtlich zu protokollieren, und die Auswertemöglichkeiten wurden dahingehend erweitert, dass für jedes untersuchte Kind ein individuelles Untertestprofil, ein Skalenwertprofil sowie Unterschiedsvergleiche zwischen den einzelnen Skalen ermittelt werden können.
G. Reuner/J. Rosenkranz: Die allerwichtigste Neuerung ist aber mit Sicherheit, dass die Bayley-III  Skalen mit einer aktuellen deutschen Normierung erscheinen.

Pearson: Wo sehen Sie die großen Vorteile der Bayley-III Skalen im Vergleich zu der Vorgängerversion?

G. Reuner: Ein großer Vorteil der neuen Version ergibt sich aus der neuen Skalenstruktur. Gerade bei der Untersuchung von Kleinkindern ab ca. 18 Monate bot die Kognitive Skala des Bayley-II deutliche Probleme, da sprachliche und nicht-sprachliche kognitive Leistungen gleichermaßen in den Standardwert der Kognitiven Skala eingingen. Dieses Problem ist in den Bayley-III Skalen gelöst.
J. Rosenkranz: Unserer Erfahrung nach sind die Bayley-III Skalen leichter zu erlernen, was vor allem an der sukzessiven Itemvorgabe und den nunmehr eindeutig festgelegten Startpunkten sowie der gut zu verstehenden Einstiegs- und Ausstiegsregel liegt. Außerdem wurde das Testmaterial zeitgemäß angepasst, was die Motivation der Kinder erhöht.

... anderen Entwicklungstests in diesem Bereich?

G. Reuner/J. Rosenkranz: Mit den Bayley-III Skalen lassen sich kognitive, sprachliche und motorische Leistungen von jungen Kindern über einen besonders großen Altersbereich von 1 – 42 Monaten erfassen. Die Auswertemöglichkeiten sind sehr differenziert und liegen in Form der gebräuchlichen Standardwerte vor (Untertestwerte mit Mittelwert 10, Standardabweichung 3 und Skalenwerte mit Mittelwert 100, Standardabweichung 15). Diese standardisierten Werte wurden aus einer sehr großen aktuellen deutschen Normstichprobe abgeleitet. Daraus ergibt sich für die Bayley-III Skalen ein breites Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten. Darüber hinaus ist das Verfahren international weit verbreitet und eignet sich wegen des großen Altersranges auch gut für Langzeitbeobachtungen und  wissenschaftliche Verlaufsstudien.

Pearson: Wo sehen Sie die hauptsächlichen Anwendungsfelder der Bayley-III Skalen?

J. Rosenkranz: Die Bayley-III Skalen sind immer dann sinnvoll einzusetzen, wenn der aktuelle Entwicklungsstatus eines Kindes präzise eingeschätzt werden soll. Hier ist auch der klinische Bereich  zur rechtzeitigen Diagnostik von Entwicklungsverzögerungen zu nennen, weil die Ergebnisse der Bayley-III Skalen zugleich die Ableitung differenzierter Empfehlungen zu entsprechenden Förderschwerpunkten ermöglichen.
G. Reuner: 
Einen ganz wichtigen Einsatzbereich sehen wir darüber hinaus in der Untersuchung von klinischen Risiko-Gruppen, z. B. ehemals Frühgeborenen, Kinder mit angeborenen schweren Herzfehlern, mit chronischen Erkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für Entwicklungsstörungen haben, usw.  Hier ist es von besonderer Bedeutung, vergleichbare Daten mit einem gut evaluierten und zuverlässigen Verfahren zu erheben und gleichzeitig individuelle Förderziele ableiten zu können.

Pearson: Welchen besonderen Herausforderungen mussten Sie sich bei der Entwicklung der deutschen Fassung der Bayley-III Skalen stellen?

G. Reuner/J. Rosenkranz: Bei der Übersetzung der Manuale galt es immer wieder, mit kulturellen und sprachlichen Besonderheiten angemessen umzugehen. Die Entscheidung, zwei Items aus der Sprach-Skala für die deutsche Fassung nicht zu übersetzen und komplett zu streichen, haben wir mehrfach abgewogen.
Die größte Herausforderung war aber sicherlich die Planung und Umsetzung der Normierungserhebungen für die Bayley-III Skalen. Hier galt es in einem überschaubaren Zeitrahmen eine große, nach Geschlecht ausgewogene und für Deutschland repräsentative Stichprobe zu organisieren, die sich ausgewogen über das breite Altersspektrum verteilen sollte. Zahlreiche Untersucherinnen und Untersucher für die Normierungserhebungen mussten ausgebildet werden. Hier erwies es sich aus unserer Sicht als sehr hilfreich, dass die meisten Untersucherinnen und Untersucher bereits große Vorerfahrung in Entwicklungsdiagnostik hatten und die Vorgängerversion schon sehr gut kannten.
Am Schluss der Erhebung stellten wir dann fest, dass nur die jüngsten Altersgruppen (16 Tage bis 2 Monate) nicht ausreichend besetzt waren. Hier konnten aber durch die Kooperation mit der niederländischen Arbeitsgruppe die Daten für diese Altersgruppen sinnvoll ergänzt werden.

Pearson: Gibt es besondere Situationen während der Entwicklungszeit, die Ihnen im Gedächtnis geblieben sind?  

J. Rosenkranz: Die Rekrutierung und Motivierung der in die Normierung eingebundenen Untersucherinnen und Untersucher war schon eine große Aufgabe. Uns war klar, dass wir für die Normierungserhebungen hoch qualifizierte Untersucherinnen und Untersucher benötigen, die schon Expertise in Säuglings- und Kleinkinderdiagnostik haben. Deshalb richteten wir unseren Aufruf zur Durchführung der Normierungsuntersuchungen vorrangig an Kolleginnen und Kollegen, die in ihrer klinischen Tätigkeit mit Entwicklungsdiagnostik befasst waren.
G. Reuner: Die positive Resonanz auf diesen Aufruf und die Bereitschaft, sich über die klinische Tätigkeit hinaus für die Testentwicklung zu engagieren, hat mich sehr beeindruckt. Die hohe Motivation der Untersucherinnen und Untersucher, die beinahe 1000 junge Kinder für die Normierung untersucht haben, war wirklich toll!
Mehrere Kolleginnen und Kollegen berichteten, dass sie durch die Untersuchungen von Kindern der Normierungsstichprobe sehr wertvolle Lernerfahrungen für ihre Praxis machen konnten, weil sie Kinder einmal ohne den Druck der klinischen Situation untersuchen konnten. Das entspricht ganz genau auch meinen eigenen Erfahrungen. Ganz konkret erinnere ich mich an viele lustige Situationen und den Spaß, den Kinder hatten, wenn z. B. die kleine Ente mithilfe eines Löffels durch die Luft flog. Dann musste ich immer an Albert Einstein denken, der einmal das Spiel als die höchste Form der Forschung benannt hat.

Pearson: Was fanden Sie persönlich in der Entwicklungsphase der deutschen Fassung der Bayley-III Skalen besonders bemerkenswert?

G. Reuner: Die intensive und äußerst konstruktive Kooperation zwischen allen Beteiligten aus ganz verschiedenen Fachdisziplinen über die lange Entwicklungszeit war wirklich bemerkenswert – dafür gibt es kein passenderes Adjektiv!
J. Rosenkranz: Ganz klar: Die gute, konstruktive  und geduldige Kooperation aller Beteiligten.

Pearson: Gibt es etwas, was (neue) Anwender der Bayley-III Skalen unbedingt beachten müssen?

J. Rosenkranz: Neben der ohnehin voraus zu setzenden Fachlichkeit, bedarf es für die Anwenderin und den Anwender einer gewissen "Einarbeitungszeit", bis sie die Bayley-III Skalen entspannt und routiniert  durchführen können. Erfahrungen mit der Untersuchung von Säuglingen und Kleinkindern sowie fundierte Kenntnisse in der Entwicklungspsychologie der ersten Lebensjahre müssen vorhanden sein.
G. Reuner: 
Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Auch Anwenderinnen und Anwender, die mit der Vorgängerversion (Bayley-II) viel Erfahrung haben, müssen sich unbedingt gründlich mit den Item-Instruktionen und Bewertungskriterien der Bayley-III Skalen vertraut machen. Manche Items erscheinen auf den ersten Blick „altbekannt“, wie z. B. das „gelbe Steckbrett“, haben aber nun leicht veränderte Bewertungskriterien. Es könnte also leicht zu Fehlern bei der Durchführung und Bewertung kommen, wenn man sich hier nicht gründlich vorbereitet und sich auch selbst immer wieder kritisch hinterfragt.
Neue Anwender müssen sich natürlich – wie bei jedem Verfahren – sehr umfangreich einarbeiten. Da man während der Untersuchung junger Kinder in der Regel keine Zeit hat im Handbuch nachzuschlagen, was „man tun und lassen soll“, bieten sich „Trockenübungen“ oder Schulungen an. Auch wenn die Bayley-III Skalen ganz einfache Regeln haben, muss es in der Untersuchung spielerisch zugehen und die Abläufe müssen sich an den Bedürfnissen der jungen Probanden orientieren.

Pearson: Wenn Sie einem Testanwender die Bayley-III Skalen in wenigen Schlagworten  beschreiben müssten, was würde Ihnen zu dem Test einfallen?

G. Reuner/J. Rosenkranz: Messgenaues, differenziertes und sehr praktikables Verfahren zur Einschätzung frühkindlicher kognitiver und motorischer Entwicklungsaspekte.

Pearson: Die Bayley Skalen haben sich zu einem der Standardverfahren in der Entwicklungsdiagnostik für Kinder im Säuglings- und Kleinkindalter in Deutschland entwickelt.  Wie beurteilen Sie die Bedeutung der deutschen Adaptation der Bayley-III Skalen für Deutschland, Österreich und die Schweiz heute und in fünf Jahren?

G. Reuner/J. Rosenkranz: Durch die deutsche Normierung schließen die Bayley-III Skalen heute eine Lücke, weil es vergleichbar differenzierte Verfahren für eine so große Altersspanne in deutscher Sprache bisher nicht gibt. Der Einsatz der Bayley-III Skalen im Bereich frühkindlicher Entwicklungsdiagnostik – insbesondere auch im Bereich Frühgeburtlichkeit –  wird unserer Einschätzung nach in den nächsten Jahren weiter zunehmen.

Pearson: Worauf sind Sie in der deutschen Version der Bayley-III Skalen besonders stolz?

G. Reuner, J. Rosenkranz: Im Nachhinein sind wir wirklich sehr froh über unseren Entschluss, die deutsche Fassung der Bayley-III Skalen mit einer deutschen Normierung herauszugeben. Die daraus resultierende Arbeit hat sich ja auf viele Schultern verteilt. Tatsächlich können alle Mitwirkenden, also teilnehmende Familien, Untersucher, Statistiker, Verlagsmitarbeiter und Herausgeber stolz sein, dass dieses Projekt realisiert  werden konnte.

Das Whitepaper zur BAYLEY-III finden Sie hier.

Alle Infos zur BAYLEY-III im Überblick:

>> BAYLEY-III Flyer (PDF, 947 MB)