KABC-II Einführung

Beschreibung

Einführung in die KABC-II inklusive eines Vergleichs mit der Vorgängerversion K-ABC

Das vorliegende Paper soll Psychologen und Diagnostiker mit der neuen Fassung der Kaufman Assessment Battery for Children – II (KABC-II) vertraut machen. Aufgrund des erweiterten Altersbereichs von ursprünglich 3 bis 12,5 Jahre (K-ABC) auf nun 3 bis 18 Jahre kann eine psychologische, klinische, pädagogische und neuropsychologische Leistungsbeurteilung auf allen Entwicklungsstufen vom Kindergarten bis zur späten Adoleszenz erfolgen. Die Erweiterung des neuropsychologischen Luria-Modells um die psychometrisch fundierte Cattell-Horn-Carroll-Theorie (CHC-Theorie) gibt der KABC-II eine duale theoretische Fundierung, die innerhalb der Testkonstruktion als äußerst innovativ gilt. Neben der simultanen und sequentiellen Verarbeitung werden mit der neuen Skalenstruktur nun auch die Konstrukte Lernen, Planen und Wissen erfasst. Der Testanwender kann vor der Durchführung je nach Untersuchungsanlass und soziokulturellem Hintergrund der Testperson entscheiden, ob erworbenes Wissen (kristalline Fähigkeiten) mit erfasst werden soll (CHC-Modell) oder nicht (Luria Modell). Mit Hilfe dieser Wahlmöglichkeit sowie der Verfügbarkeit einer sprachfreien Skala minimiert die KABC-II die Unterschiede in den Testwerten zwischen verschiedenen sozialen, kulturellen und ethnischen Gruppen und gilt somit als kulturfaires Messinstrument, das die Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen valide, präzise und differenziert erfasst. So können auch Probanden mit eingeschränktem Hörvermögen, verschiedenen Sprachstörungen und autistischen Störungen sowie junge Menschen mit Migrationshintergrund mit der KABC-II untersucht werden. Je nach Altersgruppe und Modell dauert die Testdurchführung zwischen 30 und 75 Minuten. Durch die Aufteilung in Kernund Ergänzungsuntertests kann zwischen einer zeitsparenden Erfassung sowie einer erweiterten Exploration gewählt werden. Als weitere Neuerung wurden bei der KABC-II erstmals qualitative Kriterien eingeführt, die die Erfassung spezifischer Verhaltensbeobachtungen während der Untersuchung erlauben. Durch die Berechnung von Skalenprofilen können individuelle Stärken und Schwächen im kognitiven Bereich von Kindern und Jugendlichen differenziert erfasst und bei der Planung gezielter Interventionen genutzt werden. Die Normierung erfolgte anhand einer repräsentativen Stichprobe für 16 Altersgruppen im deutschsprachigen Raum. Die Gütekriterien belegen die Tauglichkeit des Testverfahrens.